10+1 Frage: Carsten Rudi Gräber

Wir möchten Euch gerne Gelegenheit geben, den ECP besser kennenzulernen, deshalb haben wir ein neues Format kreiert: 10+1 Frage. In loser Reihenfolge werden Verantwortliche der verschiedenen Bereiche Rede und Antwort stehen.

In dieser Saison tritt unsere ERSTE in der Bezirksliga Gruppe Nord an. Der Auftakt der Vorbereitung startet diesen Sonntag um 17:30 Uhr in der Stadtwerke-Arena gegen den MEK. Das ist natürlich der perfekte Anlass, mit Trainer Carsten „Rudi“ Gräber einen kleinen Plausch zu halten, um zu erfahren, was seine Ziele und Ideen sind.

Auch wir kennen uns schon ewig lang, deshalb werden wir wahrscheinlich ab und zu von Vergangenem schwelgen und ein bisschen vom Thema abkommen.

Deshalb wieder der Hinweis an die Leser: Fett und kursiv bin ich, der Rest ist Carsten, genannt Rudi.

Hallo Rudi,

ich würde Dir gern die 10 +1 Frage stellen, um allen, die sich für unsere ERSTE interessieren, einen kleinen Einblick in Deine Arbeit zu geben.

1. Erzähl ein bisschen über Dich, damit wir Dich kennenlernen, und vielleicht kannst Du ja aufklären: Wie kam es zu Rudi? 

Ich bin Carsten Gräber, geboren im August 1978 in Bad Muskau, habe eine Frau und zwei Töchter. Seit 2001 bin ich beim EC Pfaffenhofen, seit zwei Jahren Trainer bei den Senioren, ab dieser Saison bei der ERSTEN Mannschaft. Mein Geld verdiene ich als Produktionsleiter in einem Betrieb für flexible Verpackungen in Hohenwart. Da mache ich im Prinzip das Gleiche, was ich beim Eishockey mache, nur halt in der Arbeit. Ich habe 25 Leute, denen ich sage, wie was zu machen ist, motiviere sie zu Leistung, und ich bin immer der erste Ansprechpartner. Wir machen Kleinstverpackungen z.B. die McDonalds-Ketchup-Tüten, Gesichtsmasken oder Badezusatz.

Den Spitznamen „Rudi“ hat mir mein damaliger U17-Trainer in Weißwasser verpasst. Seitdem begleitet mich dieser Name. Hier in Pfaffenhofen kennen viele gar nicht meinen richtigen Namen und fragen dann immer wieder, „Wer ist dieser Carsten?“ Das war auch jetzt bei einigen Spielern so. 

2. Wie bist Du zum Eishockey gekommen?

Ich habe 1985 mit sechs Jahren bei Dynamo Weißwasser in der ehemaligen DDR angefangen. Damals kamen die Nachwuchstrainer des Vereins in den Schulsport der ersten Klassen und haben geschaut, welcher Junge die Voraussetzungen für Eishockey hat, wer ist sportlich begabt. Ich habe von ihnen einen kleinen Zettel bekommen, den ich meinen Eltern geben musste. Sie mussten unterschreiben, dass ich zum Eishockeytraining darf und sämtliche Risiken von den Eltern getragen werden. Meine Mutter war anfangs nicht so begeistert, mein Vater hat gesagt, dass ich zum Eishockey gehen soll. Lange Rede kurzer Sinn, sie haben unterschrieben. Die Trainer kamen wieder und haben die Zettel eingesammelt und gesagt: Du stehst nächste Woche zur vereinbarten Zeit am Schultor. Bei uns war das so, da ist ein Bus alle 11 Schulen in der Stadt abgefahren und hat alle Kinder zum Training eingesammelt. Während die anderen Kinder meiner Klasse im Hort waren, konnte ich dann zum Eishockeytraining gehen. Da waren dann anfangs ungefähr hundert Kinder in der Eishalle – ohne Eltern…

Davon können wir bloß träumen

Ja, in Weißwasser gab es halt nichts anderes, da war es für die Kinder das Größte, Eishockey zu spielen.

Auf jeden Fall haben alle erstmal nur ein Paar Schlittschuhe bekommen, so richtig ausgelatschte Dinger, sowas gibt es heute gar nicht mehr. Ich bin dann mit Bommelmütze und Schlittschuhen aufs Eis, und dann mussten wir laufen. Da haben die Trainer auch schon am ersten Tag angefangen, auszusortieren… Beim zweiten oder dritten Training hast du dann, wenn du gut warst, einen gebrauchten Holzschläger bekommen. Man musste sich die Ausrüstung durch Leistung im Training verdienen, bis du eine ganze Ausrüstung zusammen hattest. Es gab dann immer wieder Leistungstests und so blieben dann nach ungefähr einem Jahr 25 Kinder übrig, die eine Mannschaft bildeten. Die Altersklasse nannte man damals „Knaben“. 

Später, ab der vierten Klasse, gingen wir dann auch zusammen in die Sportschule und blieben Größtenteils bis zu den Junioren zusammen. Das Ganze war sehr russisch angehaucht. Für mich als Kind war das überhaupt nicht schlimm oder belastend, du musstest zwar Leistung in Sport und Schule bringen, aber ich ging mit meinen Kumpels aus dem Eishockey in eine Klasse, der Schulsport war auch Eishockey – für mich war das ein schönes Leben. Mit dieser Mannschaft sind wir dann nach dem Mauerfall zweimal gesamtdeutscher Schülermeister, zweimal Jugendmeister und Junioren-Vizemeister geworden und sind dabei als Kinder schon nach Düsseldorf, Köln oder Rosenheim gefahren. 

U16 bis U18  war ich im Kader der DEB-Auswahl und habe dabei auch 6 Länderspiele für Deutschland gemacht, unter anderem neben Marco Sturm, der jetzt die Boston Bruins trainiert. 

3. Wie hat es Dich zum EC Pfaffenhofen verschlagen, und warum bist Du geblieben?

Nach den Junioren habe  ich zwei Jahre in der Ersten Mannschaft in Weißwasser gespielt, bin aber meistens gesessen. Wir haben als junge Spieler bei dem damaligen Trainer wenig Eiszeit bekommen. Mit 20 bin ich dann von Weißwasser weg gegangen, zuerst nach Herne in die Oberliga Nord, dann nach Selb in die Oberliga Süd, und 2001 bin ich dann hierher nach Pfaffenhofen gekommen.

Da kommt jetzt mein Co-Trainer ins Spiel, der Marco (Löwenberger, genannt Leo), der hat ja schon damals hier gespielt. Mit dem bin ich ja auch zur Schule gegangen, der kommt auch aus dem Nachwuchs von Weißwasser. Wir haben gemeinsam angefangen, Eishockey zu spielen, so lange kenne ich ihn schon. Er war damals bereits zwei Jahre in Pfaffenhofen. Ich wollte von Selb weg, da war es zwar sportlich sehr gut für mich, aber da gab es sonst nichts was mir gefallen hat. Ich habe dann im Sommer den Leo in Pfaffenhofen besucht und auch den (damaligen Abteilungsleiter) Gerhard Seemüller kennengelernt, mit dem ich mich auch gleich sehr gut verstanden habe. Ich habe mich gleich integriert gefühlt, da habe ich beschlossen hier zu spielen. Ich habe dann 10 Jahre in der ersten Mannschaft gespielt, größtenteils erfolgreich, wir sind in der Zeit zweimal Bayrischer Vize-Meister geworden. Im Anschluss an meine Bayernliga-Karriere war ich dann eigentlich mal mehr, mal weniger konstant in der 1b-Mannschaft aktiv.

Jetzt bin ich in diesem Sommer 25 Jahre beim ECP.

Mittlerweile habe ich hier eine Familie, ich hab einen guten Job (auch schon seit 24 Jahren in der gleichen Firma), warum sollte ich woanders hin… 

4. Was ist das Faszinierende am Eishockey für Dich?

Das Faszinierende? Eishockey ist schon so lang Teil meines Lebens, dass es einfach dazugehört. Das Warum und Wieso hinterfrage ich eigentlich gar nicht.

Faszinierend finde ich vielleicht, das es Menschen gibt, die Spaß daran haben, einem kleinen schwarzen Puck hinter zulaufen und in Kauf nehmen, das es wehtun kann, wenn sie ihn auf den Fuß geschossen bekommen.

5. Wie ist Dein Verhältnis zum Eiskunstlauf :-)?

Ich habe ein sehr gutes Verhältnis. Meine beiden Töchter trainieren hier im Verein, da bin ich auch sehr froh drüber. Ich finde meine Kinder bei den Trainerinnen und Trainern unserer Eiskunstlaufabteilung auch sehr gut betreut.

Unseren Töchtern macht es Spaß und es ist unser Ziel, dass sie dabei bleiben. Es ist schön, wie sie in ihren Laufgruppen zusammenwachsen. Ich will einfach, dass sie in einer Gruppe sind, wo sie auch ein bisschen lernen, sich einzufügen und an Regeln zu halten.

Man vergisst oft, dass der ECP auch eine Eiskunstlaufabteilung hat. Vielleicht sollte man das auch in Zukunft bei der Präsentation des Vereins oder auch intern etwas mehr in den Fokus stellen, um die gute Arbeit zu würdigen.

Macht so eine Ausbildung auch für Eishockeyspieler Sinn?

Ich glaube, dass vom Schlittschuhläuferischen her Eiskunstlauf viel anspruchsvoller ist als Eishockey. Wenn ich mir das jetzt mal anschaue bei meiner großen Tochter, die ist neun. Sie hat angefangen mit fünf, was die in der Zeit gelernt hat auf dem Eis, das kann nicht mal ich, nach 40 Jahren, das ist schon sehr beeindruckend. Sicherlich würde es einem Eishockeyspieler auch nicht schlecht tun, wenn er die ein oder andere Sachen übt, gerade was schnelle Drehungen oder Stabilität auf einem Bein angeht.

Grundsätzlich braucht ein Eishockeyspieler aber dann doch andere Skills. Zumal es dann schon komisch wäre wenn der Spieler vor dem Torschuss noch ein Rittberger springt!

6. Du hast ja schon zwei Saisons unsere 1b als Trainer verantwortet, und jetzt ist aus der 1b die ERSTE geworden und aus Dir der Trainer des radikalen Neuanfangs. Wie geht es Dir damit?

„Radikaler Neuanfang“ hört sich so an, als müssten wir in jeglicher Sicht neu anfangen.

Es ist ein Neuanfang im sportlichen Bereich der 1. Mannschaft hinsichtlich der Identität und dem Anspruch an die Mannschaft in einer anderen Liga, der Bezirksliga. Für mich ist das eigentlich nichts Neues, also das Trainieren einer Senioren-Mannschaft in der Bezirksliga, das mache ich ja jetzt schon seit zwei Jahren. 

Naja, der Erwartungsdruck ist schon ein anderer, bisher war die Bezirksligamannschaft, ja eben „nur“ die zweite Mannschaft, jetzt ist sie das Aushängeschild des Vereins.

Ja ich spüre schon die Verantwortung und eine gewisse Erwartungshaltung. Es ist die 1. Mannschaft des EC Pfaffenhofen. Der Name stand viele Jahre für gutes Eishockey in einer tollen Gemeinschaft. Leider ist das gerade, was das Sportliche, angeht in der letzten Zeit etwas anders gelaufen.

Ich mache mir natürlich auch Gedanken über das Konzept 1. Mannschaft in der Bezirksliga. Der Schritt zurück war ja schon bald nach dem Ende der letzten Saison klar. Wenn man zweimal hintereinander sportlich absteigt, ist das auf jeden Fall auch ein guter Zeitpunkt, um so einen Schritt zu gehen.

Ich habe aber von Anfang an gesagt, als wir begonnen haben, die Mannschaft zusammenzustellen und mit den Spielern zu sprechen, dass wir das Ganze mit der Intensität für eine ERSTE Mannschaft angehen werden. Sonst haben wir keine Chance. Für welche Liga ist dabei gar nicht so wichtig. Eine 1. Mannschaft vertritt immer als Aushängeschild den Verein. Um dem Ganzen einen Sinn zu geben, sollte man dabei auch Ergebnisse erzielen, die jeden zufrieden stellen. Und das schafft man meiner Meinung nach nur mit einer gewissen Ernsthaftigkeit!  Dass das tatsächlich einen Unterschied macht, ist mir bewusst. Wenn wir alle denken, jetzt ist ja alles leichter, weil „nur noch“ Bezirksliga, wird es ein böses Erwachen geben! 

Ich weiß, dass wir nicht auf dem Niveau, Bezirksliga zweite Mannschaft trainieren können, und wir werden das auch nicht tun..

Deshalb haben wir auch schon im Juni, zweimal pro Woche mit dem Sommertraining begonnen, geleitet von unserem Athletik-Trainer Stefan Koppitz. Da war ich sehr positiv überrascht, wie die Jungs dieses Angebot angenommen haben und oft zahlreich da waren.

Ich sag’s mal so: Die 1. Mannschaft zu trainieren ist für mich eine besondere Aufgabe, der ich versuche, gerecht zu werden. Ob es mir gelingt werden die Ergebnisse zeigen. Ich werde auf jeden Fall mein Bestes geben!

7. Bist Du mit der Kaderplanung zufrieden? – Der Kader spiegelt ja schon ein bisschen die Ernsthaftigkeit Deiner Arbeit wieder.

Ja. Ich bin zufrieden.

Ich habe dem Abteilungsleiter Robert Huber meinen Wunschkader vorgelegt, und ein Großteil davon hat es in die Mannschaft geschafft.

Ich glaube wir haben eine gute Mischung aus ehemaliger 1. Mannschaft, 1b und ein paar Neuzugängen gefunden, die in der Bezirksliga eine gute Rolle spielen kann.

Dazu ist es aber wichtig das die Jungs zusammen finden und eine Mannschaft entsteht, die in die gleiche Richtung läuft.

Das ist dann eben die Aufgabe des Trainers.

Wichtig war uns, dass die Spieler einen Bezug zu Pfaffenhofen haben, hier verwurzelt sind oder zumindest schon mal in Pfaffenhofen gespielt haben und sich mit dem Verein identifizieren wollen.

Wir haben jetzt viele Junge, aber auch einige Bayernliga-Erfahrene mit Führungsqualität. Es war uns auch wichtig, dass ein, zwei Spieler im Kader sind, die zum Leitwolf werden können. So ein Spieler, der durch Leistung und Einsatz die ganze Mannschaft mitnimmt ist enorm wichtig. Wem wir diese Rolle zutrauen, bleibt erstmal intern.

Zu meiner Zeit waren das so Spieler wie Terry Campell oder Roman Mucha. Das waren richtige Leader.

8. Was ist Dein Ziel für die ERSTE?

Ziel für mich ist ganz klar mindestens der vierte Platz in der Gruppe, gerne auch besser. Ich will mit der Mannschaft in die Playoffs. 

Außerdem wollen Leo und ich unbedingt umsetzen, dass man sieht, da draußen ist eine Mannschaft, die kämpft und die steht zusammen, auch wenn es mal nicht so läuft.

Ich will, das der Zuschauer erkennt, da gibt es ein Konzept, das von der Mannschaft verfolgt wird. 

Dass wir durch gute Ergebnisse und gutes Eishockey vielleicht wieder mehr Zuschauer zurück in das Stadion bringen, und der ECP in der Stadt wieder positiv erwähnt wird.

Jetzt lass uns mal sehen, wie das Ganze anläuft, und wie die Zuschauer die Bezirksliga annehmen.

9. Die Erste tritt in der Nordgruppe an: Ist das ein Vorteil, ein Nachteil, oder ist es schlicht egal?

(Ich kenne die Vorbehalte des Eishockey-Südens gegen den Norden)

Ich finde die Nordgruppe qualitativ sehr gut besetzt. Mit Regensburg, Regen und Würzburg sind auch echte Bezirksliga Schwergewichte dabei. Haßfurt und Weiden kann ich schwer einschätzen, ich denke aber auch diese Teams sind keine Laufkundschaft, und die haben schöne Stadien. Die Auswärtsfahrten sind zwar etwas weiter, dafür sind es aber nicht so viele. Allgemein habe ich kein Problem damit in den bayrischen Norden zu fahren.

Am Ende ist es eigentlich egal in welcher Gruppe wir spielen, wir müssen überall mindestens Vierter werden.

10. Ondrej Vaculik unterstützt auch unseren Nachwuchs-Head-Coach Aleš, Kresimir trainiert die U20. Beide Kontingentspieler sind also auch eng in die Nachwuchsarbeit eingebunden. Eine Win-win-Situation?

Auf jeden Fall. Das ist sicher für die Kinder schön, wenn sie ihrem Trainer bei den Spielen zuschauen können. Die Trainer haben dann auch immer ein bisschen Druck, die müssen dann schon liefern. Wenn sie die ganze Woche über den Kids vormachen, wie Hockey funktioniert, müssen sie dann im Spiel den Beweis liefern, dass sie es wirklich auch selber umsetzen können. Dieser Druck nutzt uns dann in unseren Spielen.

Und nun kommen wir zur letzten Frage. Stell dir vor, es gäbe keine Einschränkungen. Was würdest Du gerne umsetzen?

Es geht ums Eishockey? Also, dass ich gern in Pfaffenhofen bin, habe ich ja schon gesagt, noch lieber wäre ich hier, wenn das Stadion etwas ansprechender wäre. Genau genommen: geschlossen, also eine Eishalle.

Das Gespräch führte Norbert Schorr

!!! Wenn Ihr mehr über die Vorbereitung der ERSTEN erfahren wollt, lest HIER WEITER !!!

Zur Person

Carsten Gräber
Geboren in Bad Muskau
48 Jahre alt, verheiratet, 2 Töchter
Vereinsmitglied seit 25 Jahren

Head Coach ERSTE seit 2026