10+1 Frage: Stefan Pfab
Wir möchten Euch gerne Gelegenheit geben, den ECP besser kennenzulernen, deshalb haben wir ein neues Format kreiert: 10+1 Frage. In loser Reihenfolge werden Verantwortliche der verschiedenen Bereiche Rede und Antwort stehen.
Was würde besser passen als dem scheidenden Jugendleiter Stefan Pfab nochmal Gelegenheit zu geben, die abgelaufene Saison, aber auch die ganzen letzten vier Jahre, Revue passieren zu lassen. Und natürlich dabei die Nachwuchsarbeit aus seiner Sicht darzustellen. Mit durchaus überraschendem Ergebnis.
Dazu muss ich aber auch noch ein bisschen was vorher erklären: Ich kenne Stefan, seit er vor ungefähr 25 Jahren der Betreuer meiner Söhne bei den Bambinis war. Wir haben ein sehr gutes Verhältnis und sind so richtig ins Ratschen gekommen. Ich habe das Ganze dann im Nachhinein begradigt, gekürzt und für die Menschen, die nicht die Spitznamen aller Spieler der IceHogs, Eishogs und der ERSTEN seit den späten neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts kennen, verständlich gemacht. Also: Blau und kursiv bin ich, der Rest ist Stefan.
Fest steht für mich, dass Stefan seinen Job durchaus anders angelegt hat als die meisten seiner Kollegen. Möglich war dies nur, weil er das Vertrauen des Vereins und insbesondere seines Teams genießt. Auf jeden Fall ist er nicht nur Jugendleiter, sondern mindestens auch Schlittschuhschleifer, Kehrmaschinenfahrer, Irgendwo-Irgendwas-Aufräumer und nicht zuletzt Hopfi und seit Neuestem „Popcornier“…
Hallo Stefan,
schön, dass du Zeit für mich hast, ich hab mich ja nicht abwimmeln lassen. Du redest nicht gerne, du machst lieber was, schon klar, deshalb: Lass uns anfangen:
1. Wie bist du zum Eishockey gekommen?
Als erstes war ich nur ein einfacher Fan, und ich bin tatsächlich über Fußball zum Eishockey gekommen. Die Spieler des ECP haben im Sommer bei Scheyern in der zweiten Mannschaft Fußball gespielt, wie ich auch. Das war der erste Kontakt, und irgendwann haben sie uns dann eingeladen, mal ein Eishockeyspiel anzuschauen. Da bin ich tatsächlich mal zu einem Spiel gegangen, und das hat mich dann doch fasziniert. Als dann unser erstes Kind, der Matthias, auf die Welt kam, haben die Eishackler den Buben gleich mal in Blau-Gelb ausgestattet. Und die enge Verbindung und Freundschaft zu einigen Spielern der IceHogs hat dann dazu geführt, dass meine zwei großen Jungs Eishockey spielen wollten. Sie haben dann beide bei den Bambini angefangen (unser Dritter, der Luis, später auch…). Und ich war kurzzeitig Eishockey-Papa.
2. Wie ging deine Eishockey-Sozialisation weiter?
Damals waren noch die Doris Seemüller und die Sabine Weiner Betreuerinnen. Ich bin dann da so reingeschlittert, keiner wollte Betreuer machen, deshalb war ich es dann für die Bambini und die Kleinschüler (Anmerkung: das war damals U8 und U10) gleichzeitig. In die Zeit fallen auch die ersten Trainingslager, die wir in Tschechien abgehalten haben, gemeinsam mit dem damaligen Spieler der IceHogs und Nachwuchstrainer David Vokaty. Damals lag der Schwerpunkt ganz eindeutig auf dem Spaß und weniger auf dem sportlichen Erfolg.
Ich war aber damals auch schon ein spezieller Fall, ich weiß nicht ob man das merkt, aber mit den Kleinen rumspinnen ist für mich ja das Größte. Da hat dann der damalige Jugendleiter gesagt: „Ja Stefan, Du wärst der ideale Jugendleiter“. Das habe ich dann ein Jahr oder so gemacht, nein sogar zwei Jahre.
Und dann bin ich mit Matthias und Michi durch die Vereine gewandert, wie ich dir vorhin schon erzählt habe. Ich war sieben Jahre weg, vier oder fünf Jahre war ich Betreuer in der Mannschaft von Matthias in Erding. In der Zeit hatte ich viel zu tun und zu fahren: Michi war in Landshut, Matthias in Erding.
Als dann Luis zu den Bambini beim ECP kam, habe ich gleich wieder als Betreuer angefangen. Da waren wir dann bis zur U17, da ist Luis nach Ingolstadt gewechselt, und ich habe dann da beim ERC den Betreuer in der DNL gemacht.
3. Was macht für Dich die Faszination von Eishockey aus?
Die Schnelligkeit des Spiels. Und – natürlich – die Leidenschaft und durchaus auch die Aggressivität, die aber bei Spielern auf das Spiel begrenzt bleibt, soll heißen: die prügeln sich auf dem Eis, und nach dem Abpfiff gibt es ein Händeschütteln und dann ist das vorbei. Und auch bei den Fans gilt das in einem hohen Maß.
Ich hab ja gesagt, eigentlich bin ich ein Fußball-Mensch, und da ist das anders.
Und dann gibt es da noch die Faszination des Eishockey in der eigenen Familie: Du bist mit deinen Kids ziemlich viel unterwegs und lange zusammen. Das habe ich immer total genossen, das hast du in keiner anderen Sportart so. Diese Zeit, die du mit deinen Kindern verbringst, die kann dir auch keiner mehr nehmen.
4. Warum bist du 2022 (nochmal) Jugendleiter geworden?
Man ist ja aus dem Verein nie ganz weg, das kennst Du ja auch, ich war immer in Verbindung mit den Leuten. Und in 2022 gab es ja einiges Durcheinander im Verein, letztendlich ist dann der Jan Hofbauer auf mich zugekommen. Ich wollte eigentlich nicht, ich hatte schon abgeschlossen gehabt mit meinen Jobs als Betreuer – und wie ich schon gesagt habe ich wollte auch nie Jugendleiter sein. Titel sind mir nicht wichtig, ich will die Chance haben, was zu bewegen. Und da kommen ein paar Dinge zusammen: Der Nachwuchs und der ECP waren mir immer wichtig. Und den Jan Hofbauer kenne ich von Bambini an. Ich habe es toll gefunden, dass ein „Junger“ (der war da auch schon 35…), der im Verein groß geworden ist, Verantwortung übernimmt. Jan ist einfach einer, der ein ECP-Herz hat, den wollte ich gerne unterstützen, deshalb habe ich dann doch zugesagt.
Jugendleiter sein ist für mich einfach schön, die Kinder wollen mit mir reden, haben Wünsche und auch ernste Anliegen, und ich versuche zu helfen. Ich habe Spaß mit Kindern, und die Kinder haben Spaß mit mir. Ich weiß nicht so genau, woher das kommt, kann es eigentlich nicht erklären.
Da könnte ich aushelfen, weil ich dich schon lange kenne: Du nimmst die Kinder ernst, gibst weder den Erwachsenen noch den Jugendleiter, deshalb kommen sie mit ihren Problemen auch zu Dir. Gleichzeitig zittert sogar noch die U15, wenn in der Kabine was nicht so ist, wie du es gerne hättest.
5. Was sind die Hauptaufgaben eines Jugendleiters aus deiner Sicht?
Du kennst mich ja. Als ich dann als Jugendleiter angefangen habe, sind die Sachen mehr oder weniger so aus mir rausgeflossen und ich habe Sachen gemacht, die jetzt nicht so in das klassische Jugendleitergeschäft passen. Grundsätzlich vertritt ein Jugendleiter die Mannschaften beim Verband, ist da der erste Ansprechpartner, kümmert sich um das Passwesen, aber auch um die Trainingszeiten, also eigentlich bist du als Jugendleiter so ein Mädchen für alles im Nachwuchs. Gleichzeitig musst du immer ein offenes Ohr für Kinder und Eltern haben, ausgleichend wirken. Das Ganze war so nur möglich, weil mir unser zweiter Jugendleiter, Dirk Brömme, alles abgenommen hat, was mir keinen Spaß macht: das Verwaltungszeug. Ich kümmere mich um die Kommunikation Eltern – Mannschaften – Betreuer und natürlich Trainer. Viele Dinge die früher einfach intern geregelt wurden, müssen heute aufwendig kommuniziert und mit allen Parteien abgestimmt werden. In den letzten vier Jahren sehe ich mich als erstes als Moderator.
So konnte ich mich um das Thema kümmern, das mir am meisten am Herzen liegt. Meine Devise ist: Wenn es dem Verein gut geht, geht es auch meinem Nachwuchs gut, so war das, was ich gemacht habe, immer für den ganzen Verein. Mein oberster Antrieb war immer, den gesamten Verein zu unterstützen. Deshalb kehre ich auch das Stadion, damit es gut ausschaut, wenn es kein anderer macht, oder baue was um.
Wichtig für unsere Arbeit ist für mich, dass die Kinder Spaß am Sport haben, ihn aber auch ernsthaft betreiben. Da bin ich voll und ganz auf einer Linie mit Aleš. Wir wollen die Kinder fit fürs Leben machen.
6. Wie ist der Bereich Nachwuchs organisiert?
Also mal ganz grundsätzlich: Ein Jugendleiter ist nichts ohne sein Team. Dass der Dirk Brömme die ganze Verwaltungsarbeit macht, habe ich schon erzählt. (Dann gibts da noch – der Vollständigkeit halber – Dich – IT und Website). Das ist das Management. Dazu gehört noch Head Coach Aleš, den du ja schon interviewt hast, und der über die Ausbildung gesprochen hat. Meine eigentlich wichtigsten Partner sind die Betreuer, die im offiziellen Verbandssprech Mannschaftsführer heißen. Idealerweise haben wir bei jeder Mannschaft von U9 bis U17 (eine U20 hatten wir in der abgelaufenen Saison nicht) mindestens zwei. Sie organisieren Trainings- und Spielbetrieb und – ganz wichtig – Teambuilding-Maßnahmen. Die Betreuer hängen wirklich viel Zeit und Herzblut in ihr Ehrenamt und sind das, was die Mannschaften zusammenhält.
Wir bieten durch die ganze Saison On-Ice- und auch Off-Ice-Trainingseinheiten an. Die Teilnahme am Eistraining ist verpflichtend, die am Athletiktraining ist freiwillig. Das kann man alles bei uns im Internet nachlesen.
7. Du bist ja jetzt seit 2022 Jugendleiter, wenn du auf die Zeit zurückschaust, was waren die absoluten Highlights?
Da muss ich jetzt eins vorausschicken: Vor der letzen Wahl habe ich auch schon gesagt, dass nach dieser Saison Schluss ist, ich fühle mich auch irgendwie abgearbeitet. Deshalb wird das jetzt auch sowas wie ein Abschlussbericht. Aber langsam werde ich jetzt doch wehmütig.
Dazu kann ich nur sagen: Dann mach halt weiter, da hätte glaube ich niemand was dagegen!
Die letzten vier Jahre waren geprägt von der Tatsache, dass mir die Vorstandschaft freie Hand gelassen hat, oder anders ausgedrückt: Ich hab halt meine Spinnereien ausleben können.

Ich weiß nicht, wie es dir geht, ich habe nie was mit der Sau (das EisHogs-Logo links) anfangen können, weil es keinen Bezug zu uns hat. Meine Idee war: Eigentlich brauchen wir gar nichts, wir haben das von dem Pfaffenhofener Künstler Eduard Luckhaus entworfene super Emblem. Und dann ist doch der Hopfi entstanden, denn der ECP ist der einzige Eishockeyverein in der Holledau. In Gesprächen mit Markus Braun haben wir das diskutiert, und dann haben wir beschlossen, ein Nachwuchs-Logo zu machen. Hopfi sollte die Nachwuchsmarke des ECP werden. Erst kam Hopf mit Aufklebern im ganzen Stadion, dann die Hopfi-Hütten, und schließlich das Hopfi-Laufkostüm. Das ist für mich das absolute Highlight.
Ich war immer auf der Suche, um Geld zu organisieren. Da hat Eines das andere finanziert, so dass der Verein nichts aufbringen musste.
Und das Stickerheft, das leider etwas teurer für die Eltern wurde, aber die Kinder hatten eine wahnsinnige Freude.
Gerade verfolge ich noch die Idee, den Verein sichtbarer zu machen, dazu beschaffen wir bedruckte Pavillons, die wir an Markttagen oder bei Aktionen anderer Vereine nutzen, um Lust auf Eissport zu machen.

Ich muss nochmal sagen, dass zu den Highlights der letzten vier Jahre einfach die Tatsache gehört, dass ich machen konnte, wie ich wollte, und da das Vertrauen der Vorstandschaft hatte. Ich bin einer, der Ideen auch gerne nicht nur diskutiert, sondern auch umsetzt, notfalls selber.
8. Was war weniger schön?
Das Schöne an der Sache ist, dass Du die weniger guten Sachen sehr schnell vergisst. Gott sei Dank bleiben die schönen Dinge besser im Gedächtnis haften als die schlechten.
9. Die Konkurrenz von Couch und Internet spüren ja alle Vereine. Was kann man deiner Meinung nach dagegen tun?
Das ist eine gute Frage. Wir haben ein allgemeines Problem. Der Sport hat keinen hohen Stellenwert. Es gibt bei Eltern und Kindern beide Extreme: Manche Kinder müssen viel zu viel machen, die anderen tun gar nichts. Deshalb wollen wir uns auf Veranstaltungen und wieder auf dem Markt präsentieren, unsere Außendarstellung muss einfach noch besser werden. Ich arbeite daran, das System der Darstellung zu verbessern. Dazu habe ich eine Popcornmaschine besorgt, um Kinder „anzulocken“. Kostenloses Popcorn geht immer.
Organisatorisch soll Aleš als erfahrener Fachmann, eine Art sportlicher Leiter werden, er soll das tun, was er auch in Budweis schon gemacht hat (dazu gibt es ja auch ein Interview), soll ein Stück runter vom Eis, und die organisatorischen Sachen verantworten, die Trainer führen, Trainer einteilen, Trainingspläne erstellen. Ich habe gesehen, dass sich z.B. Marcel Strack durch die Zusammenarbeit mit Aleš als Trainer wirklich sehr gut entwickelt hat. Um das zu ermöglichen, sind wir auf der Suche nach einem zweiten hauptamtlichen Nachwuchstrainer.
10. Wie bist du mit der abgelaufenen Saison zufrieden?
Jaaa. So schön wie Meisterschaften sind – es ist schon toll, wenn man das erleben darf – aber: Im Endeffekt ist es egal. Das Wichtige ist, dass wir sehen, die Kinder haben sich in der Saison ein Stück verbessert, jeder so, wie er kann. Das zentrale ist, wir müssen versuchen, die Kinder weiterzuentwickeln, damit sie gute Eishockeyspieler werden. Wir machen ja immer diesen Spagat: „leistungsorientierter Breitensport“. Ja, wir wollen Leistung haben, aber keinen Leistungssport betreiben.
Im Grunde war ich etwas unzufrieden, weil uns ein Trainer abhanden gekommen ist, und Aleš bei U9, U11 und U13 plötzlich alleine dastand.
Und nun kommen wir zur letzten Frage. Stell dir vor, es gäbe keine Einschränkungen. Was würdest du gerne umsetzen?
Der öffentliche Lauf soll attraktiver werden, dazu brauchen wir eine bessere Lichtanlage und vielleicht eine Nebelmaschine.
Und ich hätte gerne bei der Tribüne hinter dem Tor eine LED-Bande, um mehr Show machen zu können.
Ich möchte das Stadion zukunftssicher machen.
Das Gespräch führte Norbert Schorr
Fotos: Ramona Fotographie (2), Marlene Sturm (3)
Zur Person
Stefan Pfab
Geboren in Pfaffenhofen
58 Jahre
verheiratet
drei Kinder
2022 bis 2026
Jugendleiter ECP
„Ein Team ist mehr als ein Sport.
Es ist ein Stück Zuhause.“


