10+1 Frage: Aleš Dvořák
Wir möchten Euch gerne Gelegenheit geben, den ECP besser kennenzulernen, deshalb haben wir ein neues Format kreiert: 10+1 Frage. In loser Reihenfolge werden Verantwortliche der verschiedenen Bereiche Rede und Antwort stehen.
Als erstes habe ich mich vor Weihnachten mit dem Head Coach des Nachwuchs Aleš Dvořák getroffen, um über die Nachwuchsarbeit des ECP zu sprechen.
Hallo Aleš,
schön, dass du Zeit für mich hast, lass uns ganz simpel anfangen. Ich war fleißig und habe mich ein bisschen schlau gemacht und war dann echt beeindruckt. Nur soviel vorneweg: du kommst ja aus einer echten Eishockey-Familie. Also los gehts:
1. Wie bist du denn zum Eishockey gekommen?
Mein Vater hat in der Tschechischen Extraliga und NHL gespielt. Damals hieß es noch Tschechoslowakisch und es war ganz normal, dass die Kinder das machen, was die Eltern auch so gemacht haben. So war ich ungefähr 4 Jahre alt, als ich angefangen und meine ersten Schritte auf dem Eis gemacht habe. Das war im Amerika, denn mein Papa hat damals für die Philadelphia Flyers gespielt und das Stanley-Cup-Finale erreicht. Das haben sie allerdings gegen Edmonton mit Wayne Gretzki verloren. So war mir Eishockey praktisch in die Wiege gelegt als Kind eines tschechoslowakischen Eishockey-Stars, der heute noch sehr bekannt ist. Die VIP-Lounge in der Budweis-Arena heißt Miro Dvorak Lounge.

Die Trainer und das Management in der tschechoslowakischen Nachwuchsarbeiti hatten schon ein besonderes Auge auf meinen Bruder und mich. Das war nicht immer leicht und manchmal sogar richtiggehend anstrengend.
Ich war in der Nationalmannschaft in U16, U17 und U18, aber es gab keine Möglichkeit für mich, in der Extraliga zu spielen, denn innerhalb des tschechoslowakischen Verbandes hätten interessierte Vereine eine hohe Ablöse für mich zahlen,müssen, weil ich Nationalspieler war. Deshalb bin ich schon mit 18 Jahren zurück nach Nordamerika, nach Canada, gegangen.
2. Wie bist du zum Trainer geworden?
Ich musste nach einer schweren Verletzung meine Karriere beenden, meine Schulter wurde operiert und ich konnte nicht mehr auf Profi-Niveau spielen. Da habe ich von meinem Verein Budweis sofort das Angebot bekommen, in die Nachwuchsarbeit einzusteigen. Dann habe ich also erst den C-Schein und dann nach zwei Jahren den B-Schein und schließlich 2017 den A-Schein gemacht. Der A-Schein in Tschechien ist etwas ganz anders als in Bayern (den ich jetzt auch erwerben muss). Das ist eine zweijährige Ausbildung an der Universität in Prag. Mein Sohn war da auch im passenden Alter, um im Nachwuchs von Budweis zu trainieren. Das hat also alles sehr gut gepasst.
Bevor ich nach Pfaffenhofen gekommen bin, habe ich sieben Jahre als tschechischer Regionalcoach für Mittel- und Südböhmen gearbeitet. Für diesen Bereich habe ich die Nachwuchsarbeit zentral gesteuert. In den Vereinen gibt es Profis als Trainer, die sind meine rechte Hand. Ich habe die Trainingspläne für die Mannschaften gemacht, und die Coaches vor Ort haben sie entsprechend umgesetzt. Ich konnte mir die Trainings online anschauen, bin aber auch oft vorort bei den Vereinen gewesen. Ich habe Trainer-C-Lizenzen vergeben und Seminare für die B-Lizenzen abgehalten.
3. Was begeistert dich am meisten daran, mit Nachwuchsspielern zu arbeiten?
Ich mag dieses Gefühl, wenn die Kinder etwas Neues von mir lernen. Und die zeigen mir das im Spiel oder im Training, dass sie das probieren und dass sie clever genug sind, das umzusetzen. Das geht mit den Kleinen leichter als mit den Größeren, denn diesen Kindern kann ich die Dinge von Anfang an beibringen. Ältere Kinder müssen sich erst umgewöhnen, oder wir müssen gemeinsam daran arbeiten, falsche Angewohnheiten zu verbessern.

4. Wie würdest du deine Trainer-Philosophie in wenigen Worten beschreiben?
Ich will mein Wissen weitergeben und Eishockeyspieler ausbilden, um das Hockey in Pfaffenhofen weiterzubringen.
Alles was ich gelernt habe und weitergebe, ist die tschechische Eishockey-Schule. Aber ich habe während meiner Karriere durchaus auch andere Dinge gesehen, die ich weitergeben möchte. Ich war ja in sieben Ländern als Spieler aktiv.
Als ich in Pfaffenhofen angekommen bin, war meine Erwartung ein bisschen höher, was den Ausbildungsstand der Kinder angeht. Ich musste ein, zwei Schritte zurückgehen und je nach Altersstufe fast mit den Grundtechniken beginnen. Das geht schon bei der Stockhaltung an bis zu besserer Stocktechnik und Schüssen. Deswegen haben wir jetzt am Mittwoch noch das Skills-Training. Die Kinder bis U15 können da freiwillig teilnehmen,
Letztes Jahr hatten wir zwei Trainingseinheiten, heuer sind es drei plus die freiwillige Einheit, und wenn jemand will, kann er auch in zwei Mannschaften trainieren. Ich versuche gemeinsam mit Stefan Pfab das Maximum an Trainingsmöglichkeiten für die Kinder anzubieten.
5. Welche Werte möchtest du den Kindern mitgeben?
Wichtig ist, dass die Kinder Spaß haben, aber auch gegenseitigen Respekt lernen und Vertrauen in sich und die Mannschaft. Sie sollen sich als Teil der Mannschaft fühlen, Teamgeist erleben. Und begreifen, was Fairness bedeutet.
Wenn sie dann selber Kinder haben, die dann auch Eishockey spielen wollen, sollen sie sagen: „Ja klar, spiel Eishockey, ich hab da so viel Spaß und tolle Kameraden gehabt.“
6. Mit welchem Alter empfiehlst du den Einstieg ins Eishockey? Wann sind Kinder zu alt?
Ich habe mit vier Jahren angefangen, aber nach den neueren Erkenntnissen ist das eigentlich zu früh.
Das wichtigste ist aber nicht das Alter, sondern, dass die Kinder selber spielen wollen, dass sie sich bewegen wollen. Da können sie beginnen mit Fussball.
Eishockey ist ein sehr komplexer Sport, wir sind Virtuosen auf den zwei schmalen Kufen, deshalb ist es sinnvoll mit ungefähr fünf oder sechs Jahren zu beginnen. Ab vier kann man aber schon Schlittschuhlaufen lernen, in der Laufschule und im öffentlichen Lauf.
Die Frage danach, wann es keinen Sinn mehr macht, mit Eishockey zu beginnen, ist schwierig. Ich würde sagen, nach der U9 ist es zu spät. Es kann aber Ausnahmen geben, wenn ein Kind ein sehr guter Sportler ist und schon Schlittschuhfahren kann.
7. Welche Bedeutung haben Athletiktraining und Off-Ice-Einheiten in deiner Ausbildung?
Das Athletik Training ist total wichtig. Grundsätzlich sollten die Kinder genauso viele Stunden Athletik Training machen wie sie Eiszeit haben. Einen Teil bieten wir im Rahmen des Eishockey-Trainings an: Wir haben einen spezielle Athletik-Coach – Stefan Koppitz -, und der macht mit unseren Spielern das Maximum, das in unserem Stadion zur Zeit möglich ist. Es gibt einen Raum, das Hopfi-Gym, das ist ein Anfang, aber eigentlich zu wenig.
Für den Rest bietet sich eine andere Mannschaftssportart an, die die Hand-Auge-Koordination fördert, z.B. Hand- oder Basketball.
Die Mannschaften wärmen sich auch unter Anleitung der Mannschaftskapitäne vor dem Training 10 Minuten auf. Deshalb sollte jeder auch tatsächlich eine halbe Stunde vor Beginn des Eistrainings da sein und sich schon warm machen, damit das nicht mehr auf dem Eis passiert muss. Wir verlieren sonst zu viel Zeit auf dem Eis.
Um das Athletik Training zu verbessern, würde es uns schon helfen, wenn wir draußen einen überdachten Platz hätten (den Eisstock-Platz).
8. Wie ist das Nachwuchskonzept beim EC Pfaffenhofen aufgebaut und welche Rolle spielst du darin?
Stefan Pfab und ich haben uns erst kürzlich dazu abgestimmt und diese Frage in einem einzigen Satz zusammengefasst:
Wir möchten ein Umfeld schaffen, in dem sich jedes Kind wohl fühlt, motiviert und respektiert wird.

Dazu sollen folgende Regeln beachtet werden:
Teamregeln – Für Eltern
1. Wir unterstützen jedes Kind – nicht nur unser eigenes.
2. Wir respektieren Entscheidungen der Trainer.
3. Wir geben keine taktischen Anweisungen von der Tribüne.
4. Wir vergleichen keine Kinder miteinander.
5. Wir bleiben positiv – auch bei Fehlern oder Niederlagen.
6. Wir motivieren, kritisieren aber nicht.
7. Wir zeigen Respekt vor allen Spielern, Trainern, Schiedsrichtern und Eltern.
8. Wir helfen dabei, eine starke und faire Teamkultur zu schaffen.
Teamregeln – Für Spieler
1. Wir kämpfen zusammen.
2. Wir freuen uns über jeden Erfolg – auch den der anderen.
3. Wir lachen niemanden aus.
4. Wir unterstützen uns gegenseitig.
5. Fehler sind erlaubt – daraus lernen wir.
6. Wir geben immer 100 %.
7. Wir respektieren Trainer, Mitspieler und Gegner.
8. Wir sind ein Team – immer!
Als Head Coach bin ich verantwortlich, dass dieses Ziel erreicht wird. Ich vermittle diese Inhalte auf und neben dem Eis.
Unterstützt werde ich hierbei von meinen Assistant Coaches und den Betreuern, die viel Zeit aufwenden, um den Kindern gute Trainingsmöglichkeiten zu bieten.
9. Was ist dir bei Technik- und Taktiktraining in den verschiedenen Altersklassen besonders wichtig?
Bei U9 und U11 gibt es noch kein Taktiktraining. Der Schwerpunkt liegt auf der Erarbeitung der Grundlagen: Schlittschuh-, Stock- und Schusstechnik.
Das wirkliche Taktik-Training beginnt langsam bei U13 und wird dann bei U15 wichtig. So trainieren wir in der U13 noch keine Unterzahl, weil wir die Mannschaft immer mit U11 auffüllen müssen. Natürlich werden Spielaufbau und grundlegende Laufwege ab U13 trainiert. Die Kinder müssen schon wissen, was sie tun sollen. Bei U11 und U13 wechsle ich im Training auch die Positionen, d.h. Verteidiger trainieren Sturm und umgekehrt. Bis zur U15 sollte ein Spieler die Grundlagen beherrschen, dann startet die taktische Ausbildung.
Mit der U17 ist die technische Ausbildung abgeschlossen und auch die taktischen Grundlagen sind gelegt. Die Mannschaften wissen, was der Trainer im Spiel von ihnen will und können es umsetzen.
10. Wie gehst du als Trainer mit unterschiedlichen Leistungsniveaus und Charakteren in einer Mannschaft um?
Es ist für einen Trainer sozusagen Tagesgeschäft, mit unterschiedlichen Leistungsniveaus in einer Mannschaft umzugehen. Das gilt praktisch für alle Ligen. Alle Kinder und Jugendlichen sind Eishockeyspieler „in Ausbildung“ und als solche dürfen sie Fehler machen. Das ist absolut normal. Ich erwarte aber von jedem, dass er hart an sich arbeitet und das Training ernst nimmt.
Hinter einer guten Leistung eines Spielers steht immer das Team, das ihm diese Leistung ermöglicht, denn Eishockey ist ein Mannschaftssport.
Und wenn jemand gut genug ist, dann kann auch ohne Vorbehalte meinerseits zu einem größeren Verein gehen, so wie dieses Jahr zum ERC Ingolstadt. Wir haben eine Vereinbarung zur Nachwuchsentwicklung, die das abdeckt.
Und nun kommen wir zu der letzte Frage: Stell dir vor, es gäbe keine Einschränkungen, was würdest du gerne umsetzen?
Ich habe drei Punkte:
Ich würde gerne eine Turnhalle oder zumindest einen überdachten Platz für das Athletik-Training haben.
Ich würde gerne eine Mittagsbetreuung anbieten können: Die Kinder kommen nach der Schule zu uns, kriegen ein Mittagessen, und können in der Stadiongastwirtschaft Hausaufgaben machen. Danach geht es aufs Eis. Das beutetet auch, dass alle Spieler ab U11 ihre Ausrüstung im Stadion lassen können.
Wir haben genügend Mädchen in Pfaffenhofen, dass wir zwei Blöcke für eine Frauenmannschaft zusammenbekommen würden. Wenn die Mädchen älter werden, wäre das eine sehr gute Lösung. Dazu müssten wir aber mal bei den anderen Vereinen nachfragen, ob Interesse an einer Zusammenarbeit besteht.
Das Gespräch führte Norbert Schorr
Fotos: Marlene Sturm (3) Claudia Kunnelis, André Obermann
Zur Person
Aleš Dvořák
Geboren in Budweis
47 Jahre
verheiratet
zwei Kinder
Inhaber der A-Lizenz des Tschechischen Eishockeyverbandes
bis 2016
Aktiver Spieler
Nationalspieler U16, U17, U18
Unterwegs in Tschechien, Canada, USA, Schweden, Deutschland, Dänemark, Italien und Serbien
Seit 2012
Nachwuchstrainer und sportlicher Manager bei Motor Ceske Budejovice mit wechselnden Verantwortlichkeiten
2017 bis 2023
Verbandstrainer für Mittel und Südböhmen. Verantwortlich für die Steuerung der Vereinstrainer und die Trainerausbildung



